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Barsche Kritik an Georgi und Schröder

Saarländische IG Metaller wollen mit hohen Forderungen in Stahl-Tarifrunde gehen ? Robert Hiry stolz auf hohe Organisation

Auf strikte Distanz zur SPD und zur Agenda-Politik von Kanzler Gerhard Schröder gingen die IG Metaller aus Völklingen bei ihrem Delegiertentag in Saarlouis-Roden. Dabei wurde auch vor einer Spaltung der Gewerkschafter gewarnt. Zugleich gaben sich die Saar-Metaller für die Stahl-Tarifrunde kämpferisch. Gefordert werden 6,5 Prozent, nachdem man in schlechteren Zeiten Verzicht geübt habe.

Von SZ-Redakteur Gerhard Franz

Saarlouis. Kämpferisch hat sich die IG Metall-Verwaltungsstelle Völklingen am Mittwochabend bei ihrer Delegiertenversammlung in Saarlouis-Roden gezeigt. So kündigte der erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle, Robert Hiry, unter dem Beifall der Delegierten an, dass man in der bevorstehenden Tarifrunde für den Stahlbereich 6,5 Prozent mehr Lohn fordern werde.

Dies, so Hiry, sei vor dem Hintergrund der ?hervorragenden Ergebnisse der Stahl-Industrie? durchaus gerechtfertigt, zumal man in der Vergangenheit an der Saar Verzicht geübt habe. Hiry: ?Wir holen uns in guten Zeiten zurück, was wir in schlechten Zeiten verloren haben.?

Sehr kritisch setzte sich der Chef der Völklinger Metaller mit dem saarländischen Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi auseinander, weil er zu einer wirtschaftlichen Gestaltungsfunktion ?absolut unfähig? sei. Das zeige sich nicht nur daran, wenn es um die Vergabe von Brückenbau-Aufträgen im Land gehe. So habe DSD (Dillinger Stahlbau) als größter Brückenbauer des Landes mehrfach in die Röhre schauen müssen. Dazu Hiry: ?Eine tolle Wirtschaftspolitik.? Gleichzeitig beklage Georgi aber auch, dass die Arbeitnehmer im Saarland zu unflexibel seien und zu wenig arbeiteten. Dagegen spreche die Wirklichkeit in den Betrieben des Saarlandes eine andere Sprache; denn hier zeige sich eine solche Flexibilität wie sonst nirgendwo in der Bundesrepublik. Hiry: ?Georgi läuft jammernd durch die Gegend und macht das Saarland schlecht, ohne die Vorzüge anzupreisen.? Damit werde er zum Standortnachteil.

Außerdem wies Hiry darauf hin, dass der Mitgliederrückgang der IG Metall im Bereich der Verwaltungsstelle Völklingen so gut wie gestoppt sei. Das Ergebnis sehe seit Januar 2004 wesentlich günstiger aus als auf Bundesebene oder im Durchschnitt des IG Metall-Bezirks Frankfurt. Noch günstiger sei aber die Organisation bei den Auszubildenden. In der Verwaltungsstelle Völklingen komme man hier auf einen Organisationsgrad von 98 Prozent, während der Durchschnitt an der Saar bei 84 Prozent liege, im Bezirk Frankfurt aber nur bei 60 Prozent. Jedes zehnte Mitglied der Völklinger Metaller sei inzwischen ein Jugendlicher, rief Hiry stolz: ?Das sucht weit und breit seinesgleichen.?

Höchst kritisch setzten sich Hiry und der neue IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild mit der SPD auf Bundesebene auseinander, wobei auch vor einer Spaltung der Gewerkschafter gewarnt wurde. Die Bilanz der Schröderschen SPD bedeute nicht nur Nullwachstum und eine Zahl von fünf Millionen Arbeitslosen, sondern verteilungspolitisch liege auch die ?ungerechteste Situation seit 1949? vor. Auch sei die Politikverdrossenheit in demokratie-gefährdende Höhe geschnellt. Alles in allem, so Schild, ?ein Desaster?. Der Bezirksleiter rief unter lautem Gelächter: ?Wer links blinkt, rechts abbiegt und dann noch gegen die Wand fährt, der hat nun wirklich keinen Plan.? Schild sprach sich gegen politische Kundgebungen der IG Metall im Vorfeld der Bundestagswahl aus: ?Das könnte missverstanden werden als Parteinahme für die SPD.? Andererseits fürchte die Gewerkschaft für den Herbst aber auch, dass es unter einer Regierung von Union und FDP (?wer freut sich schon auf einen Westerwelle an der Macht??) zu einem weiteren Abbau der Arbeitnehmerrechte kommen könnte, führte der Bezirksleiter aus.

Saarbrücker Zeitung, 24.06.2005

 

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