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Frauenkonferenz fordert bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Unter dem Motto "Gute Arbeit - mehr vom Leben" fand am Samstag, den 17. Mai 2008 in der Stadthalle Dillingen die Frauenkonferenz der IG Metall Völklingen statt.

Robert Hiry, erster Bevollmächtigter, berichtete in seinem Grußwort über die derzeitigen Erfolge in der Tarifpolitik, so z.B. dass in der Stahlindustrie der beste Tarifabschluss der letzten 15 Jahre durchgesetzt werden konnte. Dies sei nur mit einer starken IG Metall und hohen Organisationsgraden in den Betrieben möglich: "Nicht ohne Grund sind derzeit steigende Mitgliederzahlen und der höchste Stand an betriebsangehörigen Mitgliedern in der Geschichte der Verwaltungsstelle Völklingen zu verzeichnen".

Monika Klein, Betriebsratsmitglied bei Saarstahl Völklingen und Vorsitzende des Frauenausschusses, konnte in ihrem Geschäftsbericht eine positive Bilanz ziehen. In den vergangenen vier Jahren waren die IG Metall-Frauen auf vielen Ebenen aktiv und beteiligten sich an betrieblichen Aktionen, bei Tarifverhandlungen und meldeten sich bei gesellschaftspolitischen Themen zu Wort. So zum Beispiel in der Debatte um Sozialabbau und die Rente mit 67, insbesondere deren Auswirkungen auf die Frauen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Frauen in den Betriebsratsgremien.

Gute Arbeit - mehr vom Leben

In seinem einführenden Referat machte Gewerkschaftssekretär Ralf Haas deutlich, was die IG Metall unter "Guter Arbeit" versteht. "Es kann nicht angehen, dass Arbeitgeber, Konservative und Liberale die Parole "Sozial ist, was Arbeit schafft" täglich verbreiten und viele Menschen dies unkritisch hinnehmen. Es kann uns doch nicht egal sein, unter welchen Bedingungen Menschen arbeiten und wie die sozialen Verhältnisse sind. Leiharbeit, prekäre Beschäftigung und Dumping-Löhne, das verstehen wir nicht unter guter Arbeit, das werden wir auch in Zukunft bekämpfen!"

"Steuerentlastungen für Konzerne und Millonäre auf der einen Seite, fehlendes Geld für soziale Sicherung und Kinderbetreuung auf der anderen Seite, das sind zwei Seiten der selben Medaille!". Er forderte die Delegierten daher auf, bei der Durchsetzung von guten Arbeitsbedingungen nicht nur im Betrieb aktiv zu werden, sondern sich auch in gesellschaftspolitische Debatten einzumischen: "Wenn die Bundesregierung falsche steuerpolitische Entscheidungen trifft oder die Rente mit 67 einführt, dann werden wir für diese Probleme keine Lösungen im Betrieb finden oder per Tarifvertrag. Dann müssen wir Druck auf die politischen Entscheidungsträger ausüben, damit diese Fehler korrigiert werden!".

Vier Kurzreferate von Kolleginnen des Frauenausschusses machten deutlich, an welchen Stellen die IG Metall-Frauen derzeit Handlungsbedarf sehen:

Entgeltgerechtigkeit

Astrid Pendl-Tilk, stellv. Betriebsratsvorsitzende von Johnson Controls Headliner machte deutlich, dass auch im Jahr 2008 noch eine Benachteilung von Frauen beim Einkommen existiert. Selbst wenn Frauen in Vollzeittätigkeit, mit vergleichbarer Qualifikation und in ähnlichen Positionen beschäftigt sind, somit auch in der gleichen Leistungsgruppenstruktur eingeordnet sind, bleibt es bei den Arbeiterinnen bei einem Verdienstabstand zu ihren männlichen Kollegen von 19,1 %. Deutschland liegt damit im EU-Vergleich auf den letzten Plätzen. Diese Benachteilung und die oftmals unterbrochenen Erwerbsbiografien (z.B. durch Kindererziehung, Pflege) führen dazu, dass Frauen auch bei der Rente benachteiligt sind: Die durchschnittliche Altersrente von Frauen liegt bei rund 500 Euro und ist damit nur halb so hoch wie die der Männer.

Qualifizierung

Tanja Ruhland, Saarstahl Völklingen, stellte dar, dass derzeit die am besten ausgebildete Generation von Frauen auf den Arbeitsmarkt komme, diese aber von der Weiterbildung oftmals ausgeschlossen werde. Aufstiegschancen werden jungen Frauen somit verbaut, insbesondere wenn sie wegen Kindererziehung in Teilzeit oder Elternzeit wechseln. Diese Benachteiligung wirkt sich in der Folge sowohl auf das Einkommen, sowie auf die Altersversorgung aus.

Leiharbeit / Prekäre Beschäftigung

Christine Schmitt, Betriebsratsmitglied der Ford-Werke Saarlouis, blickte in die Geschichte der Leiharbeit zurück und stellte ernüchternd fest, dass bis zum Jahr 1967 Leiharbeit in Deutschland verboten war, sie galt als sittenwidrig. "Sittenwidrig ist sie oft auch heute noch, aber leider nicht mehr verboten!", dafür hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahrzehnten gesorgt, indem alle Beschränkungen Schritt für Schritt gelockert oder aufgehoben wurden. Aufgabe der Betriebsräte müsse es daher sein, Leiharbeit möglichst zu verhindern. Wenn Leiharbeit zugelassen werde, dann nur in engen Grenzen und unter vernünftigen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Als Beispiel für positive Regelungen sind in der Verwaltungsstelle Völklingen Ford Saarlouis und das Stahlwerk Bous zu nennen, wo gleicher Lohn und zum Teil auch gleiche Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter erreicht werden konnten.

Vereinbarkeit von Familien und Beruf

Die betriebsnahe Kindertagesstätte der Dillinger Hütte "Kleine Hüttenbären" ist  mittlerweile als Vorzeigeprojekt weit über die Grenzen des Saarlandes bekannt. Darauf konnten Vanessa Lauer, Betriebsrätin, und Marianne Petry, Vertrauensfrau, stolz hinweisen, denn es waren ja die IG Metall-Betriebsräte und Vertrauensleute, die diese Einrichtung gefordert und durchgesetzt haben. Gleichzeitig machten sie aber deutlich, dass Vereinbarkeit mehr bedeute: Flexibilität bei Arbeitszeiten kann keine Einbahnstraße sein. Arbeitnehmer müssen sich oftmals den betrieblichen Rahmenbedingungen unterzuordnen. Es müsse daher dringend über familienfreundliche Arbeitszeiten diskutiert werden.

Silke Nötzel, IG Metall Bezirksleitung Frankfurt, unterstützte diese Forderungen und verwies auf die frauenpolitischen Forderungen der IG Metall. Sie stellte Zusammenhänge zwischen den Referaten her und machte deutlich, dass die Punkte, die von den betrieblichen Kolleginnen eingebracht worden sind, zentrale Punkte sind, für die die IG Metall eintritt.

Im Anschluss verabschiedete die Konferenz eine Resolution, in der gefordert wird, das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" in allen Betrieben auf die Tagesordnung zu setzen und Regelungen zu betriebsnaher Kinderbetreuung und zu familienfreundlichen Arbeitszeiten durchzusetzen.

 

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