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Netzwerkveranstaltung 2010: Jobs in der Krise

Am 15. September 2010 fand unter der Überschrift "Jobs in der Krise - Gegen die zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen!" die 12. Netzwerkveranstaltung "Gesundes Arbeiten unser Ziel" in Kirkel statt. Für die Vorbereitung und Durchführung der Netzwerkveranstaltung war in diesem Jahr die Verwaltungsstelle Völklingen unter Federführung von Ferdinand Weidig verantwortlich.

Großes Interesse: Über 120 Kolleginnen und Kollegen haben an der Veranstaltung teilgenommen
Podiumsdiskussion am Nachmittag

Auf den Prüfstand gestellt werden sollten die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsplatzsituation der Beschäftigten vor, in und nach der Krise auch in Bezug auf Gesundheitsgefährdungen.

Insbesondere die betriebliche Berichterstattung der Kollegen:

  • Günter Sauder, Ford Werke Saarlouis
  • Harald Fissabre, Dillinger Hütte
  • Uwe Werdehausen, Saarstahl Völklingen
  • Gerfried Lauer, Acument Beckingen und
  • Adrian Fortuin, Dillinger Fabrik gelochter Bleche

sowie die am Nachmittag unter der Moderation von Siegfried Lambert vom Saarländischen Rundfunk durchgeführte Podiumsdiskussion mit den Teilnehmer

  • Jörg Bosch, Werkleiter Acument Beckingen
  • Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der VSU und des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes
  • Robert Hiry, erster Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen
  • Christoph Ecker, Arbeitskammer des Saarlandes und
  • Friedrich Büchle, Schwerbehindertenvertretung bei Bosch Homburg

verdeutlichte, die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben in erster Linie die Beschäftigten in den Betrieben zu spüren bekommen.

Neben der Angst den Arbeitsplatz, die Existenzgrundlage, den Job zu verlieren, der Angst wegen Kurzarbeit finanziell nicht mehr über die Runden zu kommen, der Angst vor betriebsbedingten Kündigungen, sofern Betriebsräte nicht zu finanziellen Eingeständnissen bereit sind, hat die Krisensituation vielfach auch zu einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt.

Die Krise wurde und wird dazu genutzt, um zu eruieren, wo die Leistungsschrauben in den Betrieben noch weiter angezogen werden können. Dort wo an den Personalschrauben gedreht wurde, wo Mitarbeiter entlassen, Leiharbeiter einfach abbestellt wurden, wird jetzt im Aufschwung versucht, über Mehrarbeit, Befristungen und Leiharbeit die Produktion sicher zu stellen.

Die Zielsetzung vieler Betriebe nach der Krise ist es jetzt, den Anteil der Leiharbeitnehmer in den Betrieben zu erhöhen und die Stammbelegschaften zu reduzieren.

Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall
Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall

Am Vormittag verdeutlichte Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall in seinem Referat "Gute Arbeit in und nach der Krise" u.a. die Position der IG Metall zur Frage der Leiharbeit und der Rente mit 67.

Die IG Metall werde im Rahmen der geplanten Herbstaktivitäten gegen die Rente mit 67 und die ausufernde Leiharbeit entsprechend mobilisieren, sagte Hans- Jürgen Urban in großen Saal der Arbeitskammer in Kirkel, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Über 120 Kolleginnen und Kollegen hatten sich für die Netzwerkveranstaltung angemeldet.

Ferdinand Weidig, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Völklingen bei seinem Referat

Ferdinand Weidig, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Völklingen, verdeutlichte am Nachmittag in seiner Zusammenfassung der Veranstaltung nochmals am Beispiel Leiharbeit: Die per Gesetz geschaffene Möglichkeit, sich heute Menschen ausleihen zu können und mit dem Verleihen von Menschen gutes Geld zu verdienen führt dazu, dass der Druck in den Betrieben weiter steigt und die ständige Angst um den Arbeitsplatz bleibt. "Das Instrument Leiharbeit, wird aber nicht nur dazu genutzt, um zu versuchen, einen dauerhaften Billiglohnsektor zu schaffen. Das Instrument Leiharbeit soll Belegschaften spalten, soll Konkurrenz in Belegschaften erzeugen. Die per Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geschaffene Möglichkeit des heuern und feuern je nach Auftraglage oder Krankenstand ist", so Ferdinand Weidig, "sehr bequem, unkompliziert, günstig und erübrigt eine vorausschauende, zukunftsorientierte Personalplanung".

Beschäftigte werden gegeneinander in Stellung gebracht. Auf der einen Seite die Stammbelegschaften, auf der anderen Seite die Leiharbeitnehmer. Beide Gruppen befinden sich quasi in einem Dauerwettbewerb, die einen in der Erwartung auf eine Festanstellung im Entleihbetrieb, die anderen in der Sorge um die Festanstellung. Das reguläre feste Arbeitsverhältnis mit dem eine Familie ernährt werden kann, soll einem Job weichen, einem Job auf Bestellung, einem Job auf Abruf, wie es eben gerade passt.

"Die Ersten, die die Zeche der Krise bezahlen mussten, waren nicht die Banker, Zocker, Spekulanten oder Politiker, die der freien Entfaltung der Finanzmärkte das Wort geredet haben, nein, das waren die Leiharbeitnehmer/innen, die einfach abbestellt worden sind?, so Ferdinand Weidig.

Viele halten diesen Dauerstress, die Ungewissheit, die Angst ausgegrenzt zu werden, den Arbeitsplatz zu verlieren, nicht mehr aus und werden krank. Ferdinand Weidig bemerkte, es sei ein Skandal, dass der Grundsatz "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" in Deutschland nicht endlich gesetzlich vorgeschrieben wird. Geld sei aber nicht alles, es geht auch um Würde, es geht um die Würde von arbeitenden Menschen, um Anerkennung. Mit den derzeitigen gesetzlichen Regelungen zur Leiharbeit, wird die Würde der arbeitenden Menschen vom Grundsatz her mit Füßen getreten.

"Und deshalb", so Ferdinand Weidig, "ist Leiharbeit in der jetzigen Form, per Gesetz zu verbieten, abzuschaffen: Aus Jobs müssen wieder feste, planbare, "Gute Arbeitsplätze" werden, Arbeitsplätze, die ein Einkommen zum Auskommen ermöglichen. Jobs, dürfen nicht in eine Dauerkrise geraten! Dafür müssen wir uns gemeinsam einsetzen!", so das Resumé der 12. Netzwerkveranstaltung.

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