05.12.2025 | Am 4. Dezember 2025 kamen die Delegierten der IG Metall Völklingen im Vereinshaus Fraulautern zur letzten Versammlung des Jahres zusammen. Die Themen: Wirtschaftslage, Tarifabschlüsse, Transformation der Industrie – und die Frage, wie wir den Sozialstaat stärken.
Alfonso Liuzzo, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Völklingen, eröffnete die Sitzung mit einem klaren Blick zurück: „2025 war kein einfaches Jahr.“ Tarifrunden, politische und gesellschaftliche Konflikte, der Auftrag, rechter Hetze entschlossen entgegenzutreten – all das prägte die Arbeit. Im Fokus bleiben soziale Themen: bezahlbarer Wohnraum, sichere Jobs, gerechte Löhne und ein starker Sozialstaat.
Lars Desgranges, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen, legte in seinem Geschäfts- und Kassenbericht die aktuelle wirtschaftliche Situation da. Nach zwei Jahren mit Minuswachstum (–0,9 % in 2023, –0,5 % in 2024) wird für 2025 nur ein leichtes Plus erwartet. Für 2026 liegen die Prognosen zwischen 0,8 und 1,7 %. „Entscheidend wird sein, dass die auch durch den Druck der IG Metall auf den Weg gebrachten politischen Rahmenbedingungen für die Automobil- und für die Stahlindustrie schnell umgesetzt werden“ so Desgranges.
Die Bundesregierung will die EU-Regeln zum Verbrenner-Aus flexibilisieren, so dass auch nach 2035 moderne hybride Fahrzeuge zugelassen werden können. Dies schütze bis zu 200.000 Arbeitsplätze und die Umwelt. Die IG Metall fordert klare Standort- und Beschäftigungsgarantien sowie eine konsequente Förderung der Elektromobilität.
Ende November ist im Ford-Werk in Saarlouis die Fahrzeugproduktion ausgelaufen. Das gleiche gilt für die meisten Betriebe im angrenzenden I-Park. Nach wie vor stellt sich die Modellstrategie und die Entscheidung von Ford gegen Saarlouis als Fehler heraus. Von einem Turnaround in Europa ist Ford meilenweit entfernt.
Mit rund 1.000 Arbeitsplätzen wird Ford in Saarlouis weiterhin bestehen. „Solidarität und Zusammenhalt war der Schlüssel, um dieses beste zweitbeste Ergebnis für die Belegschaft und die Region zu erreichen“.
Auch die Stahlindustrie befindet sich nach wie vor in einer mehr als bedrohlichen Situation. Der stattgefundene Stahlgipfel im Kanzleramt in Berlin hat erste Erfolge erzielen können, die nun einer schnellen Umsetzung bedürfen. Stephan Ahr, Konzernbetriebsratsvorsitzender der Saarstahl AG und der SHS, berichtet über den Stahlgipfel. „Es war gut, dass wir dort waren und den handelnden Akteuren in der Politik die tatsächliche Situation der Stahlindustrie klar gemacht haben. Ich hatte nicht den Eindruck, dass dies im Vorfeld der Fall war. Die ersten besprochenen Maßnahmen sind auf EU-Ebene bereits platziert“, so Ahr.
Am 2. Dezember gelang in der saarländischen Stahlindustrie ein Tarifabschluss: Löhne und Gehälter steigen zum 1. April 2026 um 1,75 %. Auszubildende erhalten zusätzlich 75 Euro pro Ausbildungsjahr. „Es ist nicht unser Wunschergebnis, aber wir haben Entgelte und Beschäftigung in einer der schwierigsten Phasen der Stahlindustrie auf eine verlässliche Grundlage gestellt“, betont Desgranges.
Im nächsten Jahr stehen die Betriebsratswahlen an. Die Geschäftsstelle Völklingen hat dazu bereits zwei Wahlvorstandsschulungen erfolgreich durchgeführt. „Wir sind in den meisten Betrieben bereits in den Vorbereitungen für die Betriebsratswahl und die IG Metall ist gut aufgestellt. Mitbestimmung zu stärken ist in den aktuellen Zeiten wichtiger denn je“, erläutert Lars Desgranges.
Ausblick 2026: Termine vormerken